Pakistan :
Mehr als 100 Festnahmen nach Lynchmord wegen Gotteslästerung

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Menschen gehen in Lahore am Samstag auf die Straße, um gegen den Lynchmord an einem aus Sri Lanka stammenden Manager zu demonstrieren.
Ein Mann wurde von Arbeitskollegen und anderen Personen gefoltert und lebendig verbrannt, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Der Vorfall bringe Schande über sein Land, äußerte der pakistanische Ministerpräsident.

Nach einem Lynchmord wegen Gotteslästerung hat die Polizei in Pakistan 110 Menschen festgenommen. Darunter seien die mit Hilfe von Fernsehbildern identifizierten Hauptverdächtigen, erklärte der Polizeisprecher Khurram Shahzad am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Lynchmord hatte sich am Freitag in Sialkot im pakistanischen Teil Kaschmirs ereignet, wo mehr als die Hälfte der weltweit produzierten Fußbälle gefertigt werden. Ein aus Sri Lanka stammender Manager einer Sportartikelfirma war von Arbeitskollegen und anderen Personen gefoltert und lebendig verbrannt worden, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll.

Nach Angaben der Polizei war die tödliche Selbstjustiz durch Blasphemie-Gerüchte ausgelöst worden. „In der Fabrik verbreitete sich das Gerücht, der Manager habe ein religiöses Poster abgerissen und in den Mülleimer geworfen“, sagte der Polizeibeamte Zulfiqar Ali. Ministerpräsident Imran Khan erklärte, der Vorfall bringe Schande über sein Land, und er werde die Ermittlungen selbst beaufsichtigen.

Wenige Tage vor dem Lynchmord hatte eine Menschenmenge in der Nordwestprovinz Khyber Paktunkhwa randaliert und eine Polizeiwache in Brand gesteckt, weil ein anderer Mann wegen Blasphemie inhaftiert worden war. Gotteslästerung ist ein heikles Thema in Pakistan, wo religiöse Fanatiker immer wieder Beschuldigte erschlagen, erschießen oder lebendig verbrennen.