Gedenkveranstaltung - Ende der Berlin-Blockade: Pistorius mahnt Solidarität an

So 12.05.24 | 15:19 Uhr
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Boris Pistoris, Verteidigungsminister (SPD),spricht bei einem Festakt anlässlich des 75 Jahrestages der Berlin-Blockade. (Quelle: dpa/Koall)
Audio: rbb24 Inforadio | 12.05.2024 | Verteidigungsminister Boris Pistorius | Bild: dpa/Koall

Vor 75 Jahren endete die Berlin-Blockade durch die Sowjetunion. Eine Luftbrücke sicherte die Versorgung. Zum Festakt kamen der Regierende Bürgermeister Wegner und Verteidigungsminister Pistorius, der Lehren für den Umgang mit der Ukraine zieht.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat mit Blick auf das Ende der Berlin-Blockade vor 75 Jahren zu Unterstützung für die internationale Ordnung und Frieden aufgerufen.

"Die Luftbrücke hat gezeigt, wie wichtig es ist, das Richtige zu tun. Wenn unsere Partner nur mit den Schultern gezuckt hätten oder sich darauf berufen hätten, dass die Kosten zu hoch, die Risiken zu hoch seien, wäre Berlin sehr wahrscheinlich am Ende gewesen", sagte Pistorius am Sonntag zum Festakt in der Hauptstadt.

"So selbstverständlich sich unsere Verbündeten damals für uns stark gemacht haben, so klar müssen auch wir heute für unsere internationale Ordnung, für Frieden und Freiheit einstehen", sagte er weiter.

Pistorius: Nicht zusehen, wenn Völkerrecht mit Füßen getreten wird

Deutschland dürfe nicht stillsitzen, wenn autoritäre Kräfte auf der Welt souveränen Staaten und Völkern ihren Willen aufzwingen, sagte Pistorius weiter. "Wir können nicht zusehen, wenn das Völkerrecht, unsere Ordnung und unsere Werte mit Füßen getreten werden." Das gelte weltweit - in Afrika, im Nahen Osten und im Indopazifik und vor allem in der Ukraine. Zudem erinnerte Pistorius an den Wert der internationalen Zusammenarbeit.

Mit mehr als 270.000 Flügen hatten die Alliierten in den Jahren 1948/49 die Versorgung Westberlins gesichert. Die Sowjetunion hatte damals als Antwort auf die Einführung der D-Mark im Westen die Land- und Wasserwege blockiert und die Strom- und Gasversorgung stark eingeschränkt. Mit ihren Landungen in Minutentakt sicherten die Alliierten damals das Überleben von zwei Millionen Menschen.

Gedenktafel für Rosinenbomber-Legende Halvorsen

Neben Pistorius nahm auch der Berliner Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an den Feierlichkeiten teil. Er nannte die Luftbrücke ein "Symbol für den Freiheitskampf weltweit". In der Zeit der Berlin-Blockade seien aus den Siegermächten und einstigen Feinden Beschützer und Freunde geworden. Dank der Unterstützung der Luftbrücke seien Frieden und Freiheit in West-Berlin dauerhaft erhalten geblieben.

Am Nachmittag wurde der durch die "Operation Little Vittles" bekannte US-Luftbrückenpilot Gail S. Halvorsen (1920-2022) mit einer Gedenktafel gewürdigt. Wegner enthüllte die Tafel vor dem Besucherzentrum am Ex-Flughafen Tempelhof gemeinsam mit der Halvorsens Tochter, Denise Williams. "Er war das Gesicht und die Stimme der Menschheit", sagte Williams. Die Gedenktafel sei ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Berlin-Blockade in der Hauptstadt nicht in Vergessenheit gerate, betonte der Regierende Bürgermeister.

Bekannt wurde Gail S. Halvorsen durch die "Rosinenbomber" genannten Flugzeuge. Mit kleinen Fallschirmen warf der Pilot damals Süßigkeiten für Kinder ab. Weitere Angehörige des US-Piloten und unter anderem acht Veteranen der Luftbrücke waren am Sonntag ebenso zu Gast in Berlin.

Blockadehaltung

Sendung: rbb24 Abendschau, 12.05.24, 19:30 Uhr

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Berliner Luftbrücke vor 75 Jahren endete. Dies ist nicht korrekt. Auch nach dem Ende der Berlin-Blockade am 12. Mai 1949 gab es Versorgungsflüge, um die Lagerbestände weiter aufzufüllen. Die Zahl der Flüge wurde schrittweise reduziert - offiziell eingestellt wurde die Luftbrücke am 30. September 1949, als der letzte "Rosinenbomber" mit rund 10 Tonnen Kohle an Bord in Tempelhof landete.

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53 Kommentare

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  1. 53.

    "Ohne diese hätten die Amerikaner, die, wie Sie sicher wissen, Buchenwald befreit hatten,"
    Die Häftlinge von Buchenwald haben sich selbst befreit, die Amerikaner übernahmen dann das Lager.

  2. 52.

    Ach so?!?
    Erst Helme, dann Eiertanz, dann Strela und anderen NVA-Plunder, dann Eiertanz, dann viel später Panzerhaubitze und Gepard ohne genug Munition, dann Eiertanz, dann Leopard I angetäuscht, dann Eiertanz, dann Fuchs und ein paar Marder, dann Eiertanz, dann Leopard II, etc.
    Putin, und das konnte er wahrscheinlich selbst kaum glauben, konnte sich derweilen noch im Rückzugsgefecht nach seiner eigenen komplett vergeigten „Spezialoperation“ konsolidieren, kilometerweise seine Stellungen ausbauen und verminen, seine Wirtschaft auf Rüstung umbauen und sich übergangsweise billige Utensilien massenweise aus dem Iran und Nordkorea besorgen.
    Spätestens nach Aussitzen der amerikanischen Militärhilfe ist Putin wieder in der Vorderhand und der Blutzoll der Ukrainer entsprechend gestiegen.
    Da wäre soviel mehr drin gewesen und wenn wir Rüstungsgüter eben gleich von Drittstaaten oder direkt von den Amis abgekauft hätten.
    Nun kann Putin, auf unsere Kosten, über die volle Laufzeit spielen.

  3. 51.

    Nirgens werden die Menschen so ausgebeutet, wie in den Diktaturen, neben der Unterdrückung der sie ausgesetzt sind.

  4. 50.

    Sie schreiben weitgehend Unsinn. Der Westen hat ohne jede Verpflichtung die Ukraine in beispiellosem Ausmaß unterstützt. Mehr geht nicht.

  5. 48.

    Sind Sie sich sicher, dass die persönliche Freiheit für Sie am wichtigsten ist? Zur persönlichen Freiheit gehört auch die Freiheit von sozialen Notlagen und die Freiheit, sich nicht in Arbeit Knechten lassen zu müssen. Aber von einem bedingungslosen Grundeinkommen wollen Sie ja nichts wissen.

  6. 47.

    „ Das wichtigste ist jedoch die persönliche Freiheit.“
    Sind Sie sich da sicher? Die persönliche Freiheit umfasst stets auch die Freiheit vor sozialer Not. Solange die Menschen gezwungen sind, sich für ihr Überleben ausbeuten zu lassen, sind sie nicht persönlich frei. Und von einem bedingungslosen Grundeinkommen wollen Sie ja nichts wissen.

  7. 46.

    Wo werden denn hier "die Amerikaner in den Himmel gehoben"? Mal davon abgesehen, dass an der Luftbrücke auch Englänger, Kanadier, Neuseeländer, Australier uvm. teilnahmen.

    Ihnen geht es mit ihrem latenten Antiamerikanismus doch um etwas völlig anderes.

  8. 45.

    ja, genau das meinte ich auch. Das wichtigste ist jedoch die persönliche Freiheit.

  9. 44.

    Sie haben vollkommen recht. Ich wollte bloss feststellen, wie hier die Amerikaner in den Himmel gehoben werden, als ob sie allein den Krieg gewonnen haben. Über die ersten Jahre nach dem Krieg könnte man sich Stundenlang unterhalten.

  10. 43.

    Sie meinen mit „Freiheit“ wohl die Freiheit des freien Handels, des freien Unternehmertums und des freien Großgrundbesitzes.

  11. 42.

    Wikipedia zum Viermächtestatus von Berlin: 1944 war von der Europäischen Beratenden Kommission (EAC) die Teilung der Hauptstädte Berlin und Wien in je drei Sektoren vorgeschlagen worden.
    1945 wurde im Februar bei der Krimkonferenz, der Konferenz von Jalta, die Besatzungsplanung für Deutschland von den drei Hauptalliierten (USA, Vereinigtes Königreich, UdSSR) konkretisiert. Sie vereinbarten, den Franzosen eine eigene Besatzungszone und einen Platz im Alliierten Kontrollrat zur Verfügung zu stellen. Der französische Sektor von Berlin wurde, als anglo-amerikanische Truppen bereits ihre Sektoren in Berlin besetzten, erst am 30. Juli 1945 in der ersten Sitzung des Kontrollrats festgelegt,[6] nachdem die EAC am 26. Juli 1945 in einer letzten Sitzung die Details ausarbeitete. Die vertragsrechtliche Bestätigung, in beiden Ländern französische Besatzungszonen einzurichten sowie weiterer Einzelheiten, folgte im Sommer 1945 auf der Potsdamer Konferenz.

  12. 41.

    Endlich mal jemand der Ahnung von der wahren geschichte hat und nicht bloss verklärt.

  13. 40.
    Antwort auf [Rosa] vom 12.05.2024 um 20:24

    Wie Sie die die Leute zwanghaft falsch verstehen wollen hat schon was für sich. Er bestätigt es doch sogar indirekt. Erläutern Sie uns doch bitte mal den Geschichtsrevisionismus. Danke!

  14. 39.

    Wenn Pistorius von "unsere Ordnung und unsere Werte" und "oder unsere internationale Ordnung" spricht, dann meint er wohl mehr den Nordatlantikvertrag und weniger die Charta der Vereinten Nationen.

  15. 38.

    "Dass die genannten hier waren, ist die Folge, dass Russland dies zuließ." ===> Wohl eher die Folge einer vorherigen vertraglichen Abmachung. Ohne diese hätten die Amerikaner, die, wie Sie sicher wissen, Buchenwald befreit hatten, wohl nicht die Übernahme Thüringens und großer Teile Sachsen-Anhalts und Sachsens (Leipzig) durch die sowjetischen Truppen "zugelassen".

  16. 37.

    Ja. Was die Leistung der Luftbrücke aber trotzdem keinen Deut schmälert.

  17. 36.

    Klar ist aber auch, dass die Amerikaner mit dem Erhalt von Westberlin, ganz eigene politische Ziele verfolgt hat.

  18. 35.

    Ich bin entrüstet wie die Abendschau die Geschichte geframet hat. Berlin und quasi das Ostdeutschland drum hereum, wurde von den Russen befreit und NICHT von USA, Frankreich oder UK. Dass die genannten hier waren, ist die Folge, dass Russland dies zuließ. Sonst hätte niemals ein Westberlin und damit eine Luftbrücke gegeben.

  19. 34.

    "Man fragt sich unwillkürlich, ob auch kleinere Länder -beispielsweise Estland, Lettland und Litauen- ihre Sicherheitsinteressen berührt sehen dürfen oder ob das nur für deutlich größere Länder gilt, die über fast 6000(!) Nuklearsprengköpfe verfügen."

    Das ist ein wirklich guter Einwand, danke. Denn er zeigt deutlich, wie absurd das Argument eigentlich ist.

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